Der Bau eines Fertighauses ist die Schaffung eines Zuhauses und oft das größte finanzielle Projekt im Leben einer jungen Familie. Wir zeigen die einzelnen Phasen und was dabei zu beachten ist.
Der Wunsch nach den eigenen vier Wänden ist traditionell tief verwurzelt. Ein Fertighaus bietet eine zeitgemäße Antwort auf Anforderungen und individuelle Wünsche. Die industrielle Vorfertigung verspricht Präzision, Schnelligkeit, Flexibilität und Planbarkeit.
Das Jahr 2026 bietet durch attraktive Fördermöglichkeiten und eine Entspannung am Zinsmarkt günstige Voraussetzungen für den Hausbau, die es strategisch zu nutzen gilt.
Das Wichtigste in Kürze
- Wer sich heute für ein Fertighaus entscheidet, profitiert von Planungssicherheit und Geschwindigkeit.
- Die Montage des Rohbaus auf der Baustelle erfolgt oft in nur zwei bis drei Tagen.
- Durch Fixpreisgarantien und vertraglich definierte Bauzeiten sind Bauherren von Fertighäusern vor Kostenexplosionen geschützt.
- Das Wohn- und Baupaket der Bundesregierung befreit Erstkäufer bis Ende Juni 2026 von den hohen Grundbuch- und Pfandrechtseintragungsgebühren.
- Dazu kommen attraktive Landesförderungen, die die Zinsen deutlich senken.
Fertighaus – gute Planung ist alles
Der Entschluss ist gefasst: Sie wollen bauen. In Österreich entscheiden sich mittlerweile rund ein Drittel aller Bauherren für ein Fertighaus, weil es hohe Planungssicherheit mit moderner Architektur verbindet. Eine durchdachte Planung ist das Fundament für ein stressfreies Projekt. Wer gut organisiert startet, spart am Ende nicht nur Nerven, sondern bares Geld. Dabei geht es um eine durchdachte Herangehensweise, die von der ersten Budgetanalyse bis zur Schlüsselübergabe reicht.

Fertighaus planen: Von der Idee über den Grundriss bis zur Entscheidung
Entscheidung für Wohneigentum
Lebensplanung: Bedarf, Lage, Budget, Zeit, Eigenleistung
Bevor der erste Katalog aufgeschlagen wird, steht die Analyse der eigenen Lebensplanung an. Für junge Familien ist Flexibilität das oberste Gebot. Ein Grundriss sollte nicht statisch sein, sondern muss sich den Lebensphasen anpassen können. Ein Raum, der heute als Spielzimmer dient, wird in zehn Jahren vielleicht als Home-Office und im Alter als barrierefreies Schlafzimmer genutzt.
Ein weiterer Faktor ist die Zeit. Die sogenannte „Muskelhypothek“, also die Eigenleistung, wird häufig überschätzt. Laien benötigen für Gewerke wie Bodenlegen oder Malen oft 50 Prozent mehr Zeit als Profis, was den Einzug verzögern und die Doppelbelastung aus Miete und Kredit verlängern kann.
Mieten vs. kaufen/bauen
Eigentum ist eine langfristige Absicherung. Während Mietverhältnisse Flexibilität bieten, schafft das Eigenheim bleibende Werte und dient als Inflationsschutz sowie als Altersvorsorge. Durch die Stabilisierung der Bauzinsen und die neuen Förderungen sind die monatlichen Kreditraten wieder konkurrenzfähig zu den teils hohen Mietpreisen in Ballungszentren. Zudem entfällt das Risiko von Mieterhöhungen, und die Immobilie stellt einen realen Vermögenswert dar, der an die nächste Generation weitergegeben werden kann.
Fertighaus kaufen oder individuell planen?
Die Zeiten, in denen Fertighäuser nur aus dem Katalog kamen, sind vorbei. Sie haben heute die Wahl zwischen einem klassischen Kataloghaus, das kostengünstig und schnell verfügbar ist, einem Typenhaus, das individuell an Ihre Wünsche angepasst wird, und einer völlig freien Architektenplanung.
Moderne Fertighauskonzepte ermöglichen es, Wände zu verschieben, Fenster zu vergrößern oder Anbauten zu integrieren, solange die Statik und das Rastersystem der Produktion das zulassen.
Erste Machbarkeitsprüfung
Bevor Sie sich in einen Entwurf verlieben, müssen Sie das Budget prüfen. Kalkulieren Sie nicht nur den Hauspreis, sondern auch Grundstückskosten und vor allem die Baunebenkosten, die in Österreich oft 15 bis 18 Prozent der Bausumme ausmachen.
Praxis-Tipp: 10 Fragen für das erste Beratungsgespräch
Klären Sie vor dem ersten Gespräch mit einem Berater unbedingt Ihre finanziellen und zeitlichen Rahmenbedingungen. Definieren Sie Ihre absolute Schmerzgrenze für die monatliche Rate und legen Sie fest, wann Sie spätestens einziehen wollen.
Überlegen Sie, ob ein Keller notwendig ist oder eine günstigere Bodenplatte reicht – hier gibt es ein erhebliches Einsparpotenzial von bis zu 60.000 Euro.
Wichtig sind auch Entscheidungen zum Energiestandard, etwa ob ein Niedrigstenergiehaus oder Passivhaus angestrebt wird, und welche Heiztechnik, beispielsweise eine Wärmepumpe, bevorzugt wird.
Prüfen Sie kritisch, wie viel Eigenleistung Sie sich zutrauen und wie wichtig Ihnen ökologische Baustoffe sind.
Klären Sie zudem, ob das Grundstück Besonderheiten wie eine Hanglage aufweist, ob eine Fixpreisgarantie angeboten wird und ob das Grundstück bereits voll erschlossen ist.
Grundstück & Erschließung: Basis für Kosten und Genehmigung
Ohne das passende Grundstück bleibt jedes Haus ein Luftschloss. In Österreich ist vor dem Kauf der Gang zum Gemeindeamt obligatorisch, um den Bebauungsplan und den Flächenwidmungsplan einzusehen. Diese Dokumente bestimmen, was gebaut werden darf – von der Dachneigung bis zur Gebäudehöhe. Unterschätzt werden hierbei oft die Erschließungskosten. Fehlen Anschlüsse für Kanal, Wasser oder Strom an der Grundstücksgrenze, können Kosten von 15.000 bis 25.000 Euro das Budget unerwartet belasten.
Die Außenanlagen (Einfahrt, Terrasse, Garten) kosten ebenfalls Geld und Zeit. Planen Sie auch dafür ein Budget ein. Oft werden 8 bis 20 Prozent der Bausumme veranschlagt.
Checkliste: Unterlagen vor dem Grundstückskauf
- Verlangen Sie vor der Unterschrift einen aktuellen Grundbuchauszug, um Belastungen oder Wegerechte auszuschließen.
- Prüfen Sie im Flächenwidmungs- und Bebauungsplan, ob Ihr Traumhaus rechtlich realisierbar ist.
- Ein Bodengutachten ist notwendig, um teure Überraschungen bei der Gründung zu vermeiden, weil das Baugrundrisiko beim Bauherrn liegt.
- Nutzen Sie zudem die HORA-Abfrage, um Hochwasserrisiken auszuschließen, und klären Sie die Höhe der Aufschließungsabgabe bei der Gemeinde.
Fertighaus planen: Konzept, Kosten und Anbieterwahl
In dieser Phase werden Visionen zu konkreten Projekten. Die haptische Erfahrung in Musterhäusern hilft Ihnen dabei enorm, Größenverhältnisse einzuschätzen und Materialien live zu erleben.
Praxis-Tipp: Bau- und Leistungsbeschreibung verstehen
- Der Begriff „Schlüsselfertig“ ist rechtlich nicht geschützt. Prüfen Sie daher akribisch, ob Bodenbeläge, Malerarbeiten und Innentüren im Preis enthalten sind.
- Klären Sie, ob der Aushub für Keller oder Bodenplatte inkludiert ist oder bauseits organisiert werden muss.
- Achten Sie bei der Elektroinstallation darauf, wie viele Steckdosen Standard sind, weil nachträgliche Anpassungen teuer werden können.
- Bestehen Sie zudem auf einer Fixpreisgarantie von mindestens 12 Monaten, um vor Inflation geschützt zu sein.
Finanzierung: Vom Budget zur Kreditzusage
Die Finanzierungssituation hat sich für Häuslbauer in Österreich zuletzt spürbar gewandelt. Die strenge KIM-Verordnung ist Mitte 2025 ausgelaufen, was Banken wieder mehr Spielraum bei Eigenmittelquote und Schuldendienst gibt, auch wenn die Kriterien als Richtlinie bestehen bleiben.
Eine wichtige Erleichterung ist die bis zum 30. Juni 2026 geltende Befreiung von der Grundbuch- und Pfandrechtseintragungsgebühr für Eigenheime bis 500.000 Euro. Damit lassen sich die Baunebenkosten deutlich reduzieren.
Checkliste: Finanzierungsfahrplan und Bankgespräch
- Erstellen Sie einen Kassensturz aus Eigenkapital und monatlich leistbarer Rate.
- Prüfen Sie alle verfügbaren Förderungen und holen Sie Angebote von mehreren Banken ein.
- Zum Bankgespräch sollten Sie die Lohnzettel der letzten drei Monate, Nachweise über Eigenmittel (Sparbücher, Depots) sowie einen Grundbuchauszug und eine Gesamtkostenschätzung des Bauvorhabens mitbringen.
Genehmigungen & Behörden: Baugenehmigung in Österreich
Das Bauansuchen ist der formale Startschuss. Sie benötigen Einreichpläne (Maßstab 1:100), einen Energieausweis und statische Berechnungen. In Österreich variieren die Bauordnungen je nach Bundesland. Es gibt insgesamt neun verschiedene Bauordnungen, weshalb regionale Expertise wichtig ist.
Praxis-Tipp: Genehmigungsphase realistisch verkürzen
- Suchen Sie frühzeitig das Gespräch mit der Baubehörde oder dem Bürgermeister, um strittige Punkte vorab zu klären.
- Reichen Sie nur vollständige Unterlagen ein, weil fehlende Dokumente der häufigste Grund für Verzögerungen sind.
- Informieren Sie Ihre Nachbarn vorab und holen Sie idealerweise deren Unterschrift auf den Plänen ein, um Einsprüche im Voraus zu vermeiden.
Vom Angebot zum Vertrag: Fertighaus planen mit Vertragsabschluss
Der Vertrag regelt Ihr Miteinander für die nächsten Monate. Die ÖNORM B 2110 ist dabei der Standard für Bauverträge in Österreich und regelt die Gewährleistung sowie Vertragsrücktritte.
Checkliste: Vertragsprüfung
- Achten Sie darauf, dass ein verbindlicher Fertigstellungstermin genannt ist.
- Vereinbaren Sie einen Zahlungsplan nach Baufortschritt und zahlen Sie niemals alles im Voraus.
- Ein Haftrücklass (Sicherheitseinbehalt für Mängel, oft zwei bis fünf Prozent der Summe) sollte vereinbart sein, ebenso wie Pönalen (Strafzahlungen) bei Bauverzug.
Bemusterung: Entscheidungen, die Geld und Alltag prägen
Sobald der Vertrag unterschrieben ist, folgt mit der Bemusterung ein wichtiger Schritt, der das Aussehen ihres Eigenheims und ihren Wohnkomfort bestimmt. In den Ausstattungszentren der Hersteller legen Sie an meist zwei Tagen jedes Detail Ihres künftigen Zuhauses fest – von der Farbe der Dachziegel bis zur Position jeder einzelnen Steckdose.
Checkliste: Strukturiert in die Bemusterung
- Planen Sie einen Budget-Puffer von ca. 5.000 bis 10.000 Euro für Anpassungen an der Standardausstattung ein.
- Überlegen Sie vorher anhand Ihres Möbelstellplans, wo Lichtschalter und Steckdosen platziert werden müssen.
- Prüfen Sie vorab die Bauleistungsbeschreibung, um genau zu wissen, was im Standardpreis enthalten ist.
- Nehmen Sie sich Zeit, weil die spätere Korrektur von Fehlentscheidungen teuer werden kann.
Produktion des Fertighauses: vom Plan in die Werkhalle
Während Sie auf die Baugenehmigung warten oder der Keller bzw. die Bodenplatte gebaut wird, läuft im Werk die Produktion des Fertighauses an. Die Vorfertigung von 70 bis 90 Prozent der Teile garantiert hohe Präzision und Unabhängigkeit vom Wetter. Ganze Wandelemente inklusive Fenstern und Dämmung werden computergesteuert zusammengebaut.

Fertighaus bauen: Schneller Aufbau und präzise Montage auf der Baustelle
Bauphase: Fertighaus bauen – Vorbereitung, Aufbau, Rohbau
Sobald der Keller oder die Bodenplatte fertig ist, kommt der große Tag: Die Hausaufstellung. Die vorgefertigten Wände werden geliefert und per Kran montiert. Oft ist das Haus in nur zwei bis drei Tagen regendicht, ein Tempo, das beim Massivbau undenkbar wäre.
Praxis-Tipp: Haftung und Schnittstellen
- Ein kritischer Bereich ist der Keller oder die Bodenplatte.
- Achten Sie auf die Maßgenauigkeit (Kellerüberkontrolle) durch den Haushersteller, bevor die Wände geliefert werden.
- Als Bauherr haften Sie meist für die Zufahrt (LKW-Tauglichkeit) sowie Baustrom und Bauwasser.
- Ein Bauleiter koordiniert die Gewerke, doch ein unabhängiger Bausachverständiger zur Begleitung der kritischen Phasen ist sehr empfehlenswert.
Innenausbau & Haustechnik
Ist die Hülle dicht, folgt der Innenausbau: Elektro, Sanitär, Estrich und Trockenbau. Hier greifen viele Gewerke ineinander.
Funktionsheizphase, Trocknung und Feinschliff
- Besonders wichtig ist die Trocknung des Estrichs, die etwa sechs Wochen dauert. In dieser Zeit darf kein Bodenbelag verlegt werden.
- Die Haustechnik (Heizung, Lüftung) wird installiert.
- Ein Blower-Door-Test zur Überprüfung der Luftdichtheit ist für die Energieeffizienz und Förderungen oft vorgeschrieben und deckt Leckagen in der Gebäudehülle auf.
Abnahme & Übergabe: Fertighaus-Abnahme richtig machen
Die formelle Abnahme ist der rechtlich wichtigste Moment. Mit Ihrer Unterschrift bestätigen Sie, dass das Haus vertragsgemäß errichtet wurde. Die Gewährleistungsfrist (drei Jahre) beginnt, und die Beweislast dreht sich um.
Abnahmeprotokoll und Mängelliste
- Nutzen Sie ein schriftliches Protokoll für die Abnahme.
- Dokumentieren Sie alle sichtbaren Mängel wie Kratzer oder fehlende Teile akribisch, denn was hier fehlt, gilt oft als akzeptiert.
- Halten Sie noch ausstehende Leistungen fest, und setzen Sie Fristen zur Mängelbehebung.
- Nehmen Sie zur Abnahme unbedingt einen Bausachverständigen mit, denn vier Augen sehen mehr als zwei.
Einzug & die ersten 12 Monate: Betrieb, Wartung, Nachjustierung
Willkommen zu Hause! In den ersten Monaten sollten Sie insbesondere das Lüftungsverhalten im Auge behalten, weil Neubauten noch Restfeuchte enthalten können. Notieren Sie sich Wartungsintervalle für Heizung, Fenster und Lüftungsanlagen, um die Langlebigkeit Ihres Hauses zu sichern.

Einzug ins Fertighaus – Ankommen im neuen Zuhause
Der nächste Schritt: Fertighausanbieter im FHZ Kärnten vergleichen
Wer den Weg zum Fertighaus gut vorbereitet gehen möchte, profitiert von persönlicher Beratung und dem direkten Vergleich renommierter Hausanbieter. Im Fertighauszentrum Kärnten haben Bauinteressierte die Möglichkeit, unterschiedliche Bauweisen, Grundrisskonzepte und Ausstattungsstandards live zu erleben und fundierte Entscheidungen zu treffen. Mit erfahrenen Partnern wie Haas Haus, Vario-Haus, VELOX HAUS und Wolf Haus finden Bauherren kompetente Ansprechpartner für alle Phasen – von der ersten Idee über die Planung bis hin zum Einzug ins eigene Zuhause.
FAQs
Wie lange dauert es von der Entscheidung bis zum bezugsfertigen Fertighaus?
In der Regel sollten Sie mit ca. sechs bis neun Monaten ab Vertragsabschluss rechnen. Die reine Bauzeit vor Ort ist extrem kurz (oft nur wenige Tage für den Rohbau). Allerdings nehmen Planung, Genehmigung und Produktion im Werk sowie der Innenausbau Zeit in Anspruch.
Was kostet ein Fertighaus inklusive aller Nebenkosten?
Derzeit sind für ein schlüsselfertiges Fertighaus Baukosten zwischen 2.200 und 3.000 Euro pro Quadratmeter Wohnfläche zu erwarten. Für ein schlüsselfertiges Haus (ca. 140 m²) müssen Sie aktuell mit Baukosten zwischen 308.000 und 420.000 Euro rechnen. Inklusive Grundstück, Keller/Bodenplatte und Baunebenkosten (ca. 15-18 Prozent) ist ein Gesamtbudget von 550.000 bis 700.000 Euro realistisch.
Dauert das Errichten eines Fertighauses länger oder kürzer als bei einem Massivhaus?
Deutlich kürzer. Weil die Wände im Werk vorgefertigt werden, steht der Rohbau in wenigen Tagen. Ein Massivhaus benötigt durch Trocknungszeiten (Beton, Mörtel) oft mehrere Monate länger für den Rohbau.
Sind die Bedingungen für den Bau eines Fertighauses derzeit günstig?
Ja, das Zeitfenster 2026 ist attraktiv. Die Zinsen haben sich stabilisiert, die Materialpreise (insbesondere für Holz) sind gesunken und die Förderkulisse (Gebührenbefreiung bis Juni 2026, Landesdarlehen) ist historisch gut. Zudem sind Fixpreisgarantien bei vielen Anbietern wieder Standard.







